Communityfinanzierter Journalismus: 4 Beispiele aus der Praxis

Je ein Vertreter von Netzpolitik, Missy-Magazin, Krautreporter und der TAZ hat erklärt, wie ihre Arbeit von den Leserinnen und Lesern finanziert wird. Zuerst das Wichtigste – das Geld:

  • Netzpolitik: Erhielt Spenden in Höhe von 180’000 Euro, dazu kommen 70’000 Euro aus Werbung, Gastauftritten etc. Das finanziert fünf bezahlte Vollzeitstellen, über 100 Autoren schreiben ehrenamtlich.
  • Missy-Magazin: Startete ein Crowdfunding-Projekt zur Überarbeitung der eigenen Website. Vom Kampagnenziel 35’000 Euro wurde mit 19’000 rund die Hälfte erreicht.
  • Krautreporter: Mitgliedersystem. Aus der ersten Crowdfunding-Kampagne konnten rund 15’000 zahlende Mitglieder gewonnen werden. Seither kamen nochmals 3000 dazu. Im Sommer stehen Aboverlängerungen an.
  • TAZ: Wird hauptsächlich durch Mitglieder der eigenen Genossenschaft finanziert, das sind 15’000 Menschen. Über das freiwillige Bezahlsystem auf der Website können pro Monat ca. 20’000 Euro generiert werden.

Die vier Plattformen verfolgen allerdings unterschiedliche Ansätze beim Geldverdienen. Während sich Missy-Magazin ein einzelnes Projekt finanzieren lässt, setzen die drei anderen auf kontinuierliche Bezahlung. Dabei bieten die Krautreporter als einzige einen Mehrwert, wenn Leser bezahlen – Community-Funktionen. Bei der TAZ und Netzpolitik ist die Bindung zu den Leserinnen und Lesern ideologisch bzw. Themen – und Interessengebunden. Sie zahlen in erster Linie nicht, um die Artikel zu lesen, sondern um die weitere Existenz des Titels zu sichern.

Nachfolgend die wichtigsten Aussagen der Protagonisten:

«Crowdfundig ist wie eine Anzeige die Querfinanzierung von Journalismus.»
(Stefanie Lohaus, Chefredakteurin Missy-Magazin)

«Wir schreiben, weil wir für das Thema brennen. Alle Inhalte sind frei und werden es auch bleiben. Leserinnen und Leser belohnen journalistische Arbeit nur, wenn sie das Engagement schätzen.»
(André Meister, Netzpoliitk)

«Wir müssen wieder das Bewusstsein schaffen, dass unabhängiger Journalismus wichtig ist für die Demokratie. Aber bei Crowdfunding ist die Notwendigkeit der Knackpunkt. Wenn ein Verlagshaus, das schwarze Zahlen schreibt, um Spenden bittet, wirds schwierig»
Ines Pohl, Chefredakteurin TAZ

«Die meisten Verlage kennen ihre Leser und ihre Interessen nicht. Wenn wir eine wissenschaftliche Story machen wollen und überfordert sind, können wir 300 Experten aus unserem Mitgliederstamm anschreiben und uns helfen lassen.»
Sebastian Esser, Krautreporter

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