KI-generierte Fake-News: Echt jetzt, Pro 7?

Seit kurzem sendet Pro 7 eine neue Satire-Show mit dem Titel «Fake News – alles erstunken und erlogen». Hauptbestandteil der Sendung: KI-generierte Beiträge.

Screenshot: Ausschnitt aus der Fake-News-Sendung (Video).
Screenshot: Ausschnitt aus der Fake-News-Sendung (Video).

«Ein richtiges News-Studio. Eine richtige News-Sendung. Eine richtige News-Sprecherin. Aber alles ‹Fake News›. Das ist die neue Satire-Show». Mit diesen Worten kündigt Pro 7 die neue Sendung «Fake News – alles erstunken und erlogen» an , die es seit Ende Februar wöchentlich zu sehen gibt.  Ich halte das Format für problematisch, weil es Fake News normalisiert und KI-generierte Desinformation salonfähig macht.

Allein die Lektüre der Pro7-Ankündigung müsste doch allen Medienmachenden die Haare zu Berge stehen lassen. In einem authentischen Nachrichten-Setting bewusst erfundene Nachrichten zu Unterhaltungszwecken zu senden, hilft nicht etwa bei der so wichtigen Sensibilisierung der Zuschauerinnen und Zuschauern beim Thema KI, sondern trägt zu zusätzlicher Newsdeprivation bei. Ich finde: Die Grenzen zwischen Satire und echter Desinformation verschwimmen wegen dieser Show. Wenn Fake News unterhaltsam und massentauglich verpackt werden, steigt die Akzeptanz für manipulierte Inhalte.

Die zunehmende Verbreitung solcher Inhalte stellt sowohl Medienhäuser als auch Konsumentinnen und Konsumenten vor Herausforderungen. Es wird immer schwieriger, echte von gefälschten Nachrichten zu unterscheiden – und je besser KI-Tools werden, desto schwieriger die Erkennung von Fälschungen. Medien haben eine Verantwortung. Statt sich über Fake News lustig zu machen, sollten sie die Mechanismen dahinter entlarven und aufklären.

Vertrauen ist das wichtigste Gut, das Medien haben. Es ist brandgefährlich, dieses aufs Spiel zu setzen. Das Problem liegt aber nicht in der Technologie selbst, sondern im verantwortungslosen Umgang mit ihr. Ich bin nämlich auch der Meinung, dass Künstliche Intelligenz auch in der Medienproduktion helfen kann. Sei es bei der Automatisierung gewisser Prozesse, bei Textvorschlägen für Titel, Lead, Zwischentitel oder der Formulierung besserer Übergänge. Ebenso hilft KI bei der Analyse grosser Datenmengen, bei der Personalisierung von Inhalten – etwa durch Übersetzungen oder der Transkribierung langer Interviews.

Allerdings profitieren von diesen Vorteilen nur Medienhäuser, die KI bewusst nutzen und die Technologie als Werkzeug verstehen und nicht als Ersatz für recherchierende Journalistinnen und Journalisten. Denn in diesem Fall droht Kontrollverlust und damit einhergehend Wertverlust. Die Show sendet ein falsches Signal, weil dadurch die Sensibilität für echte Manipulationen abnimmt. Medien haben genügend andere Herausforderungen vor der Brust in Zeiten von KI. Ich denke dabei an die Sichtbarkeit in KI-Sprachmodellen.

Die Antwort auf Fake News darf nie Fake News sein, sondern ausschliesslich guter, glaubwürdiger Journalismus.


Am 26. Februar 2025 sprach ich an der Input Session des Verbands Schweizer Medien zu Chancen und Grenzen beim Einsatz von KI in Medienunternehmen und wie man diese sinnvoll und effektiv einsetzen und zugleich die damit verbundenen ethischen Herausforderungen meistern kann.

Die Präsentation lässt sich hier herunterladen und durchklicken.

Antwort

  1. Avatar von jrselzer
    jrselzer

    Die Sendung habe ich nicht gesehen, schlicht weil ich keinen Fernseher habe und darüber hinaus Pro7 nicht für fähig halte, gute Satire zu erzeugen. Generell jedoch habe ich mit der Idee keine Probleme. Im Netz gibt es inzwischen mehrere Satireseiten wie beispielsweise den Postillon, deren Nachrichten auf den ersten Blick glaubwürdig aussehen. Oft genug fallen Leute auf diese Nachrichten herein und zeigen sie voller Empörung herum. Das ist aber in meinen Augen nicht der Fehler der Satirikerinnen, sondern derer, welche die deutlichen Hinweise auf den satirischen Inhalt ignorieren und unbesehen jeden Quatsch glauben, den sie im Netz finden. Solche Leute bekämen wir selbst dann nicht geschützt, wenn wir statt Fotos und Filmen das Gekritzel von Dreijährigen zeigen und große Schilder mit der Aufschrift «Hihi, das soll lustig und keineswegs eine richtige Nachricht sein» zeigen. Gute Satire zeichnet sich oft dadurch aus, schmerzhaft nah an der Realität zu sein. Oft merken wir erst beim zweiten Hinsehen, dass die Bespöttelten sich diesmal nicht noch blöder angestellt haben als ohnehin schon, sondern dass sie diesmal nur konsequent überzeichnet dargestellt wurden. Das Problem sehe ich weniger in der Falschnachricht, sondern dass wir den Gezeigten deratige Dummheit tatsächlich zutrauen. KI-generierte Satire ist meiner Ansicht nach nicht nur der nächste sich logisch anbietende Schritt, sondern auch unvermeidbar. Statt uns darüber zu beklagen, sollten wir sie als weitere Möglichkeit zum Trainieren unserer Medienkompetenz ansehen.

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