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ChatGPT legt Chat und Work zusammen: Das sind die Auswirkungen

OpenAI führt in ChatGPT die Bereiche Chat und Work zusammen. Was als bessere Nutzererfahrung angekündigt wird, hat eine Kehrseite: Künftig zehrt alles vom selben Kontingent. Wie gross es ist, bleibt ein Geheimnis.

ChatGPT legt Chat und Work zusammen. Darüber hat die Firma ihre Kundschaft per Mail informiert.
Illustration erstellt mit ChatGPT

Anfang November verschickte OpenAI eine E-Mail an ChatGPT-Kund:innen. «Chat und Work werden zu einem einheitlichen Nutzererlebnis vereint», heisst es darin. Die neue Oberfläche testet OpenAI zunächst mit einer kleinen Gruppe von Nutzer:innen, später soll sie «mehr Menschen» zugänglich werden. Wann, lässt das Unternehmen offen.

Ich gehöre nicht zur Testgruppe. Bei mir zeigt ChatGPT am oberen Rand nach wie vor die beiden Reiter «Chat» und «Work».

Kopfzeile von ChatGPT mit den Reitern Chat und Work.
Chat und Work bei ChatGPT sind noch getrennt.

Dass beide Welten zusammenwachsen, war absehbar. Den Schritt weg vom Chatbot hin zur agentischen KI hat OpenAI mit Work bereits gemacht. Neu ist, dass der Agent bald zum Standard wird. ChatGPT beantwortet dann nicht mehr nur Fragen, sondern kann Präsentationen bauen, Websites erstellen und Aufgaben im Web erledigen.

Die neue Oberfläche ist allerdings nur auf den ersten Blick die wichtigste Neuerung. Tiefgreifender ist eine andere Ankündigung: ein «gemeinsames Nutzungskontingent für ChatGPT und den Programmieragenten Codex», laut Hilfecenter ab Dezember bei den Plänen Plus, Pro und Business. «Wir gehen davon aus, dass die meisten Nutzer:innen nicht häufiger als bisher warten müssen», schreibt OpenAI. Wie gross das Kontingent ist, sagt der Konzern indes nicht.

Im Alltag bedeutet das: Ob Nutzer:innen ein fortgeschrittenes Modell befragen, ChatGPT eine komplexe Aufgabe übertragen oder mit Codex eine App programmieren, sie zehren vom gleichen Guthaben. Wer das Guthaben ausgeschöpft hat, muss warten, den Plan upgraden oder Credits kaufen.

Bemerkbar macht sich das schleichend. Der Appetit kommt beim Essen: Die Ansprüche an die KI steigen, die Aufgaben werden komplexer, und mit ihnen steigt der Verbrauch. Aus dem Abo mit festem Preis wird so nach und nach ein Verbrauchstarif.

Unter «Nutzung» in den Einstellungen sehen Nutzer:innen, wie viel des Gesamtkontingents noch verfügbar ist und wann es zurückgesetzt wird. Auf derselben Seite lassen sich auch gleich Credits nachkaufen. Heute steht dort, dass Unterhaltungen in Chat nicht angerechnet werden. Ab Dezember wird das nicht mehr so sein.

Nutzungsseite in den ChatGPT-Einstellungen. Ein Hinweis besagt, dass das Kontingent für Codex, Work, Workspace Agents und ChatGPT for Excel gilt und Unterhaltungen im Chat nicht angerechnet werden. Darunter zeigen Balken das 5-Stunden-Limit und das Wochenlimit.
In 3 Stunden wird das 5-Stunden-Limit zurückgesetzt. In 2 Tagen das wöchentliche Limit.

Es wird kompliziert

Ausgenommen ist einzig «Instant». Die Nutzung sei unbegrenzt und werde nicht aufs Kontingent angerechnet, schreibt OpenAI. Allerdings taucht der Begriff in der deutschen Oberfläche gar nicht auf, dort heisst die schnelle Standardeinstellung «Sofort». Darunter lassen sich zwei Modelle wählen, GPT-6 und GPT-5.6 Sol. Ob beide als «Instant» gelten und damit das Kontingent nicht belasten, verraten weder die Mail noch die Oberfläche. Noch unklarer wird es, wenn Chat und Work verschmelzen: Wer im Chat eine Präsentation bauen lässt, startet eine Aufgabe für den Agenten. Ob diese aufs Guthaben geht, sieht man erst im Nachhinein.

Eingabefeld von ChatGPT mit dem Platzhalter «ChatGPT fragen». Rechts ist die Einstellung «Sofort» geöffnet, ein Menü zeigt die zwei Modelle GPT-6 (ausgewählt) und GPT-5.6 Sol.
Hinter der Einstellung «Sofort» stecken zwei Modelle (Stand: 2. November 2026).

Und die anderen?

OpenAI ist damit nicht allein. Bei Anthropic teilen sich Claude und der Programmieragent Claude Code schon länger ein gemeinsames Guthaben. Google hat im Mai die festen Tageslimits für Gemini abgeschafft. Früher waren es etwa 100 Prompts pro Tag mit dem stärksten Modell im Pro-Abo, heute misst Google die Rechenleistung. Keiner der drei sagt, wie viel man tatsächlich bekommt. Google und Anthropic nennen immerhin ein Vielfaches: Bei Google erhält man im Pro-Abo viermal so viel wie Gratis-Nutzer:innen, bei Anthropic im Pro-Abo mindestens fünfmal so viel, im Max-Abo nochmals fünf- oder zwanzigmal mehr.

Fazit: ein Blindflug

Dass Agenten mehr Rechenleistung brauchen als ein Chat und die Anbieter diese Kosten weitergeben, ist nachvollziehbar. Man stelle sich aber ein Handyabo vor, bei dem der Anbieter das Datenvolumen nicht nennt, nur einen Prozentbalken anzeigt und verspricht, die meisten würden schon nicht ans Limit stossen. Genau das verlangt OpenAI von seiner Kundschaft, und Google und Anthropic machen es kaum besser. Dass KI Geld kostet, ist nachvollziehbar. Dass niemand sagt, wie viel man für sein Geld bekommt, ist es nicht.

Reto Vogt

Reto Vogt

Freier Journalist, Keynote-Speaker und Experte für KI, Medien und Technologie. Verantwortet als CPO das Aus- und Weiterbildungsangebot am MAZ.

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