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Es wächst zusammen, was nicht zusammengehört

Die Schweizer Post integriert das elektronische Patientendossier (EPD) in die ePost-App. Und ich frage mich: Warum nur?

Ende Januar teilte die Schweizerische Post mit, das EPD in der Smartphone-App ePost bereitzustellen. Unterwegs könnten so "wichtige Gesundheitsdokumente wie Impfnachweise, Spitalberichte oder Röntgenbefunde" abgerufen werden. Es seien dieselben Sicherheitsanforderungen gewährleistet wie in der Browserversion, ausserdem könne man Dokumente scannen und direkt hochladen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Aus Sicht der Post ist dieser Schritt bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Je mehr Sichtbarkeit das EPD erhält, desto mehr Menschen eröffnen eines – so sicher die Hoffnung des Gelben Riesen. Der Entscheid ist auf die Eigeninteressen des Konzerns ausgerichtet, statt auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer. Ich bin überzeugt, dass das nicht aufgeht und möchte kurz erklären, weshalb:

Zweieinhalb Jahre EPD, null Mehrwert

Ich habe seit Mitte 2022 ein EPD und bin damit einer von rund 77'000 Bürgerinnen und Bürgern. Eröffnet habe ich es damals bei der Stammgemeinschaft Axsana, die später von der Post übernommen worden ist und zeitnah in Sanela umbenannt wurde. Damals wurde mein Dossier (zum ersten Mal) zwangsmigriert.

Nun, seit der Eröffnung meines EPDs bin ich ein paar Mal in eine Permanance-Klinik gegangen, einmal ins Kantonsspital Winterthur und schätzungsweise drei bis viermal zum Zahnarzt. Ob ich ein EPD besitze und nutze, wurde ich nie gefragt. Genutzt habe ich es ein einziges Mal: Um die Dokumente aus dem "Meine-Impfungen-Nachlass" zu übertragen.

Dropbox mit Schweizer Kreuz

Unter dem Strich bietet mir das EPD keinen Mehrwert. Es ist schlichtweg egal, ob ich eines habe oder nicht. Es ist ein PDF-Friedhof, eine Dropbox mit Schweizer Kreuz.

Nun wird mein Dossier zum zweiten Mal zwangsmigriert – und zwar wieder an einen Ort, an dem ich es nicht will: in die ePost-App. Die Verwaltung von Briefpost und Gesundheitsdaten gehört nicht in die gleiche App. Dieser Entscheid ist, man möge mir den Ausdruck verzeihen, bireweich.

Schlechtes Produkt ohne Nutzen

Aber er passt zum allgemeinen Vorgehen des Konzerns in Sachen EPD. Kurz vor Jahresende hat der Konzern entschieden, die aktuelle EPD-Plattform in die Cloud zu verschieben und versucht damit meiner Meinung nach einen politischen Entscheid vorwegzunehmen beziehungsweise zu beeinflussen.

Mit aller Macht versucht die Post erstens sich im EPD-Markt eine dominante Stellung zu verschaffen und zweitens Bürgerinnen und Bürgern das EPD schmackhaft zu machen. Das wird nicht funktionieren, weil das aktuelle EPD ein schlechtes, unbrauchbares Produkt ohne Nutzen ist.

Löschung ist der einzige Schritt

Ich habe noch nicht herausgefunden, wie das geht, aber: Ich werde mein EPD löschen.

Und ich bin überzeugt, dass die Politik das mit allen EPDs machen sollte. Das E-Patientendossier in der Schweiz ist gescheitert und es kann nicht mehr gerettet werden. Trotz der vielen Millionen, die bereits geflossen sind, wäre es besser nun den grossen roten Knopf zu drücken und auf Basis der neuen E-ID von Vorne zu beginnen.

6 Punkte für ein erfolgreiches EPD

Von Vorne heisst:

  • Radikal neues System mit neuem Namen
  • Politische Legitimierung durch eine Volksabstimmung
  • Menschenzentrierte und strukturierte Datenhaltung
  • Einbezug aller Stakeholder
  • Verpflichtung zur EPD-Anbindung für alle Anbieter von Praxis- und Klinik-Informationssystemen
  • Möglichkeit zur EPD-Eröffnung bei Ärztinnen und Ärzten inkl. Abrechnungsmöglichkeit für diese

Update: 4. Februar 2025

Mittlerweile habe ich herausgefunden, was es zur Löschung des EPDs braucht: Eine ausgefüllte "Widerrufserklärung" und eine Kopie der ID. Beides ist per Post oder E-Mail einzuschicken. Ganz wohl war mir E-Mail-Kanal nicht, aber die Kröte "Papier ausdrucken und Briefmarke aufkleben" wollte ich doch nicht schlucken. Aber: Mein EPD ist nun gekündigt.

Reto Vogt

Reto Vogt

Freier Journalist, Keynote-Speaker und Experte für KI, Medien und Technologie. Verantwortet als CPO das Aus- und Weiterbildungsangebot am MAZ.

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