Laut Beat Jans kommuniziert der Bundesrat via Whatsapp. Verraten hat er dies in einem Interview in der Sendung Donnschtig Jass.
Im «Tages-Anzeiger» erschien kürzlich eine gelungene, lesenswerte Glosse, wie der Bundesrat auf Threema kommuniziert. Doch Threema scheint nicht die einzige Messenger-App zu sein, auf die die Regierung setzt. In einem Interview in der SRF-Sendung Donnschtig Jass vom 14. August 2025 sagte SP-Bundesrat Beat Jans, dass Whatsapp zum Einsatz komme.
Ich habe den durchaus bemerkenswerten Ausschnitt rausgeschnippelt:
Über Whatsapp würden die wichtigsten Informationen geteilt, zum Beispiel wann Sitzungen zu welchen Themen stattfinden würden, sagte Beat Jans. «Nur die dringlichsten Sachen», betonte der Bundesrat, kämen via Whatsapp. Und ab und zu Geburtstagsglückwünsche – «mit Emojis».
Sicherheitsrisiko bei Regierungskommunikation
Ich finde es befremdlich, dass der Bundesrat für die interne Kommunikation auf die Dienste der App aus dem Hause Meta setzt. Auch wenn die Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt sind, gibt es Metadaten, die Meta sammelt. Für sensible Regierungsangelegenheiten ist das ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Darüber hinaus stellen sich beim US-Dienst Fragen zur Speicherung und Verarbeitung der Daten. Nicht zuletzt gibt es Verpflichtungen zur Dokumentation und Archivierung der bundesrätlichen Kommunikation. Auch das ist per Whatsapp mindestens schwierig.
Stellungnahme des Departements von Jans
ich hatte die Hoffnung, dass Jans Whatsapp und Threema verwechselt hat. Aber so war es nicht, wie eine Nachfrage beim Justizdepartement, dessen Vorsteher Jans ist, ergab.
Eine Sprecherin schriebt mir: «Beim Donnschtig Jass verwendete der Moderator den Begriff WhatsApp. Bundesrat Beat Jans beantwortete die Fragen des Moderators zur dringenden Kommunikation innerhalb des Bundesrats, ohne den vom Moderator verwendeten Begriff zu korrigieren. Es gibt keinen Bundesrats-Chat auf WhatsApp. Die Mitglieder des Bundesrates verwenden je nach Situation und Thema geeignete Kommunikationsmittel, darunter auch Threema Work.»
Mehr als nur Verschlimmbessert
Dieses Statement macht die Angelegenheit nicht besser, finde ich. Warum hat er Salzgeber nicht korrigiert? Weil er es nicht besser weiss? Weil er sich nicht getraute? Einmal nimmt Jans das Wort Whatsapp sogar selbst in den Mund (im obigen Video bei Sekunde 51).
Wenn ein Bundesrat in einem öffentlichen Format zu einem sensiblen Thema wie der internen Kommunikation befragt wird, sollte er präzise und korrekt antworten. Dass er den falschen Begriff nicht korrigiert hat – und ihn sogar selbst übernommen hat – vermittelt den Eindruck, als wisse er nicht genau, welche Plattform tatsächlich genutzt wird.
Gleichgültig oder inkompetent
Das ist besonders gravierend, weil Jans nicht irgendein Bundesrat ist. Er steht dem Dienst ÜPF vor und verantwortet die Verordnung über die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (Vüpf), die die Schweiz zu einem Überwachungsstaat umfunktionieren, Anonymität im Internet abschaffen und verschlüsselte Onlinekommunikation aushebeln will (siehe dazu auch mein Artikel in der WoZ). Whatsapp und Threema sind direkt von der Ausgestaltung dieser Verordnung betroffen.
Beat Jans muss die beiden Dienste unterscheiden können, er hätte das richtigstellen müssen. Es ist politisch fahrlässig und ein Zeichen von Inkompetenz, hat er das nicht getan. Damit zeigt er eine gefährliche Gleichgültigkeit oder Unkenntnis bei einem zentralen Dossier, das wie kaum ein anderes über die Grenzen der digitalen Freiheit in der Schweiz entscheidet.
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